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324. Anfrage vom 03.08.2013


 
Ich werde zum Oktober meine erste Führungsstelle als Abteilungsleitung übernehmen. Soll ich mich von Beginn an von einem Coach begleiten lassen?

Hallo, ich werde zum Oktober meine erste Führungsstelle als Abteilungsleitung übernehmen. Zuvor habe ich in einem anderem Unternehmen sieben Jahre als Referentin in der technischen Verwaltung gearbeitet. Meine erste Führungserfahrung habe ich vor zwei Jahren als Projektleitung für 12 MA erworben und das Projekt erfolgreich abgeschlossen. Bei meinem anstehenden Wechsel werde ich ein Team von 12 Mitarbeitern (mit zwei Teamleitern) verantworten. Ich freue mich sehr auf diese berufliche Herausforderung und fühle mich dabei auch etwas unsicher. Der Wechsel erfolgt auf meinem persönlichen Wunsch, da ich gerne meine positive Erfahrung fortsetzen möchte und hier beim neuen Arbeitgeber die Gelegenheit hierzu sehe.

Das größte Hindernis für eine gute Lösung:

Bei mir besteht Unsicherheit, ob ich gleich zu Beginn mich von einem Coach begleiten lassen soll oder ob ich zunächst unvoreingenommen ohne Couch bei meinem neuen Arbeitgeber starte, um dann ggf. die Unterstützung zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Problemstellung zu holen.
Im Bewerbungsgespräch wurde festgestellt, dass ich bisher keine diszlinarische Führungserfahrung hatte, aber reichlich "Energie" zeigen würde. Daher traut man es mir zu.
Wie sehen Sie das, Couch zu Beginn oder besser später?

Antworten der Coachs:

Jörg Middendorf: Vielen Dank für Ihre Anfrage. Coaching ist eine "partnerschaftliche Beziehung mit Klienten, die sie zum Nachdenken anregt und ihnen mit kreativen Verfahren hilft, ihre persönlichen und beruflichen Potenziale bestmöglich zu nutzen", so auf jeden Fall sagt es die International Coach Federation. Was in der Definition nicht vorkommt sind Worte wie Probleme, Schwierigkeiten etc. Coaching soll Sie unterstützen, Ihren Weg möglichst bewusst und unter Einbeziehung all Ihrer Möglichkeiten zu gehen. Dazu braucht es keine Schwierigkeiten, die dann im Coaching besprochen werden können. Der Coach kann Ihnen ja nicht sagen, wie es richtig geht, sondern hilft Ihnen im Idealfall, die Antworten auf Ihre Fragen selbst zu finden. Und Fragen stellen Sie sich wahrscheinlich vor Antritt der neuen Stelle und Funktion genug:

Wie sehen meine ersten 100-Tage im Job aus? Wie möchte ich mich organisieren? Welche Gespräche führe ich am Anfang mit den einzelnen Mitarbeiter und welche mit der Gruppe? Was wird sich von der Projektleitung hin zur Disziplinarischen Führung ändern? Wie tief gehe ich inhaltlich in die Themen und was überlasse ich ganz meinen Mitarbeitern? Wie möchte ich Zusammenarbeit mit meinen beiden Team-Leitern organisieren? Wie gehe ich damit um, wenn jemand aus dem Team meine Stelle wollte? Welche Kommunikations- und Informationswege soll es in meinem Team geben? Welche Meetings will ich in welchen Abständen halten? Etc.

Sie sehen also, es gibt bestimmt auch schon vor dem ersten Tag das ein oder andere, was in einem gemeinsamen Gespräch reflektiert werden kann, so dass Sie mehr Sicherheit gewinnen und Ihre Energie in eine produktive Richtung lenken können.
Viel Erfolg bei Ihrer neue Stelle!



Marion Mirswa: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer neuen Herausforderung.
"... Couch zu Beginn oder erst später?"
Ich möchte gleich mit Ihrer letzten Frage einsteigen. Haben Sie das Wort Couch bewusst gewählt oder ist es womöglich ein Freudscher Versprecher? Worte wirken auf andere und einen selbst. Da mein Schwerpunkt Kommunikation ist, greife ich einfach mal diesen Aspekt auf und beziehe mich auf einige Ihrer Begriffe und Beschreibungen.

"... unvoreingenommen ohne Coach...": Was veranlasst Sie zu dem Schluss, dass Sie mit Coach voreingenommen wären? Normalerweise trägt doch Coaching dazu bei, den Blick zu weiten und mehrere Perspektiven einzunehmen. Wären Sie ohne Coaching tatsächlich unvoreingenommen?

"... keine Führungserfahrung aber reichlich Energie ...": Könnte Energie ein wichtiges Thema sein, z.B. ressourcenorientiert mit Ihrer Energie umzugehen? Sollten Sie vielleicht aufpassen, dass Sie nicht "verheizt" werden bzw. Ihre Energie "verheizen"?

Was halten Sie von einer einer einfachen (ehrlichen) Tabelle? Was spricht jeweils für den Weg mit Coach, was für den Weg ohne Coach? Jeweils mit allen Punkten, die Ihnen in den Sinn kommen: Sachgründe, Bedenken, Hoffnungen, Erwartungen... Wesentlich dabei ist: Raus aus dem Kopf, so dass alles nebeneinander steht und die Sicht von außen möglich ist.

Was versprechen Sie sich vom Coaching, was ohne? Worin liegt Ihre Unsicherheit genau? Was für ein Risiko gehen Sie jeweils ein - ohne und mit? Bei welcher Alternative hätten Sie mehr zu verlieren?
Ich wünsche Ihnen eine gute Entscheidung.



Johannes Thönneßen: Da mache ich mir die Antwort einmal ganz einfach. Wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen die Möglichkeit für ein begleitendes Coaching einräumt, würde ich mir potenzielle Coachs anschauen, dabei darauf achten, ob die Chemie stimmt und der Coach Ihnen gut tut und es einfach ausprobieren. Und dann jeweils entscheiden, wie intensiv Sie das Coaching nutzen wollen.

Vielleicht hilft ja dieses Bild bei der Entscheidung: Wenn Sie schon mal einen anspruchsvollen Berg bestiegen haben und Sie ein neuer, noch herausfordernder Berg reizt, dann werden Sie einen Bergführer vielleicht ganz dankbar annehmen, und nicht erst nach ihm rufen, wenn sie an einer schwierigen Stelle "festhängen". Wenn es ein guter Bergführer ist, wird er sie nur begleiten und unterstützen an Stellen, die heikel sind.
Fühlen Sie sich hingegen schon deutlich sicherer, werden Sie sich ohne eine entsprechende Begleitung auf den Weg machen.
Viel Erfolg und vor allem Spaß bei der neuen Aufgabe!



Wir freuen uns über weitere Anmerkungen zu der Anfrage und/oder den Antworten der Coachs.
 

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