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325. Anfrage vom 07.04.2014


 
Meine Klientenzahl ist stetig gesunken. Wie komme ich wieder zu mehr Klienten?

Ich bin 55 jahre alt, seit 15 jahren selbstständig als Heilpraktikerin in eigener Praxis. Anfangs lief meine Praxis gut, war Single und konnte gut von meinem Einkommen leben. vor 11 jahren lernte ich meinen jetzigen Mann kennen, er hat auch drei Kinder, wovon zwei mit in unserem Haushalt leben. Seit Beginn unserer Beziehung ging es mit der Patientenzahl langsam aber stetig bergab. Jetzt arbeite ich einen Tag in der Woche im Zentrum der Stadt in einer Gemeinschaftspraxis und die restliche Zeit zu hause, da habe ich mir ein sehr schönes Zimmer eingerichtet, um so Mietkosten zu sparen.

Das Problem ist nur, ich habe nur noch sehr wenige Patienten, also Einnahmen, kann gerade mal meine laufenden Kosten decken. Für die restlichen Lebenskosten kommt mein Mann auf. Ich liebe meine Arbeit, ich bin von Herzen gerne Heilpraktikerin, Therapeutin und auch systemische Aufstellerin, aber ich bin sehr unglücklich und unzufrieden mit meiner Situation und fühle mich ohnmächtig, wenn es um die Frage geht, was und wie kann und soll ich meine berufliche Situation ändern, bzw. was kann und soll ich tun um wieder mehr Patienten zu bekommen, bzw. Klienten für die Aufstellungsarbeit.
Die finanzielle Abhängigkeit von meinem Mann nagt an meinem Selbstvertrauen. Viel Energie fließt in Haushalt, Familie, weil ich so wenig zu tun habe, dabei würde ich meine Energie gerne anders aufteilen. Ich bin oft schlecht gelaunt, weil ich nicht weiß, wie ich aus dieser situation rauskommen kann.

Das größte Hindernis für eine gute Lösung:
ich selbst, aber warum? ich weiß es nicht.

Antworten der Coachs:

Tilman Kiehne: Sie beschreiben den Niedergang Ihrer Praxis als gekoppelt mit dem Beginn und Aufschwung Ihrer Beziehung. Vermutlich haben Sie damals - ohne lange darüber nachzudenken und mit großem Erfolg - genau das getan, was Sie jetzt wieder anstreben: Nämlich Ihre Energie "anders aufgeteilt". Das bedeutete vor 11 Jahren, weniger Energie ins Berufliche und mehr ins Private zu stecken; und Ihr Mann und die Kinder werden es Ihnen gedankt haben.
Dass Sie grundsätzlich in der Lage sind, Ihre Energie in sinnvolle Bahnen zu lenken, haben Sie also für mich eindrucksvoll bewiesen.

Jetzt soll erneut wieder alles anders werden; natürlich, denn die Situation ist ja auch wieder anders: Die Kinder sind größer geworden - leider geben Sie deren Alter nicht an, aber x + 11 Jahre heißt ja wohl, dass sie aus dem Grundschulalter heraus sind - und damit selbstständiger, und Sie können wieder mehr an Ihren Beruf / Ihre Berufung denken.
Würden Sie bei mir persönlich vorbeikommen, würde ich Ihre Kompetenzen als systemische Therapeutin und Aufstellerin nutzen. Ich würde Ihnen vielleicht meine Moosgummi-Bauklötze anbieten, und Sie bitten, damit zwei Bilder zu gestalten, eines die aktuelle Situation darstellend, eines die ideale Zukunft. Und dann mit Ihnen gemeinsam darüber nachdenken und Lösungen entwerfen.

Leider bewegen wir uns hier in einem Online-Coaching-Forum und wir werden uns aller Wahrscheinlichkeit nie persönlich zu Gesicht bekommen. Aber halt - Höre ich da nicht sowieso gerade Ihre Stimme? Sie brauchen mich gar nicht? Sie haben selbst noch Bauklötze daheim? Und können das selber viel besser? Mit Hilfe Ihrer Bauklötze (und ein wenig Unterstützung Ihres Mannes vielleicht)? Meine Anregung hat Ihnen genügt? Na denn los!


Detlef Schmidt: Haben Sie vielen Dank für Ihre Schilderung, aus der für mich Ihre aktuelle Unzufriedenheit sehr deutlich ablesbar ist. Als größtes Hindernis für eine Lösung vermuten Sie dabei sich selbst, ohne allerdings konkret zu wissen, wieso und weshalb Sie selbst es sein könnten.
Mein Eindruck beim Lesen Ihres Textes: Alles scheint großer Mist zu sein! Ausnahmslos. Früher - als Sie noch Single waren - war alles in Butter! Überspitzt formuliert klingen Ihre Sätze wie: "Seit ich meinen Mann kenne, geht es beruflich mit mir bergab." Und nochmal überspitzter formuliert: "Ich kümmere mich nur deshalb um Haushalt und Familie, weil ich ansonsten fast nichts zu tun habe. Ich kümmere mich quasi nur aus purer Langeweile darum!"

Wahrscheinlich werden Sie jetzt protestieren! Recht so, denn so einfach sind die Zusammenhänge nicht. Als erfahrene Aufstellerin wissen Sie das selbst. Und Sie wissen auch, dass die jeweilige innere Haltung - gewollt oder ungewollt - nach außen wirkt: auf die Familie, den Freundeskreis und ebenso auf potentielle Patient/innen, die sich für ihre Heilbehandlung dann eher eine zufrieden und in sich ruhend wirkende Heilpraktikerin suchen. Denn Unzufriedenheit (bezüglich ihrer Gesundheit) tragen sie bereits genug in sich.

Irgendwer sagte mal sinngemäß, dass nicht die Situation das Problem ist, sondern unsere Bewertung der Situation. Mir fiel dieser Spruch beim Lesen Ihrer Anfrage wieder ein, denn für mich auffällig ist, dass Sie offenbar alles an Ihrer Situation negativ bewerten. Ich verkehre manche Ihrer Äußerungen probehalber mal ins Positive, das könnte dann so klingen:
  • seit ich mit meinem Mann zusammenlebe, muss ich nicht mehr die ganze Last meiner Existenzsicherung alleine tragen;
  • wir leben als Familie zusammen, in der jede/r den ihm/ihr möglichen Beitrag leistet: finanziell, sozial, erzieherisch, usw.
  • die Summe der einzelnen Teile ergibt dann das Ganze;
  • ich stecke viel Energie in die Bereiche Familie und Haushalt, weil dies mein derzeitiger Beitrag zum Ganzen ist;
  • ich engagiere mich vorrangig in jenen Bereichen, in denen es jetzt gerade notwendig ist - wenn bspw. in 3 oder 5 Jahren die Kinder "flügge" werden und meine Fürsorge nicht mehr so stark benötigen, werde ich andere Schwerpunkte setzen - z.B. mich wieder stärker beruflich engagieren;
Meine Idee für Sie ist also, dass Sie sich Ihre inneren Bewertungsmuster genauer ansehen. Wo Schatten ist, muss auch irgendwo die Lichtquelle sein, die den Schatten erzeugt. Sie ist da, auch wenn Sie derzeit nur die Schattenseite wahrnehmen können. Kurzum: nehmen Sie sich die von Ihnen als negativ bewerteten Aspekte in Ruhe vor und suchen gezielt nach deren positiven Seiten. Ich bin mir sicher, dass Sie fündig werden und dadurch eine Umdeutung Ihrer bisherigen Bewertung ermöglichen können.
Bestenfalls bekommen Sie am Ende auch wieder mehr Patient/innen - das wäre dann ein nettes "Nebenprodukt" Ihrer Umdeutungen...
Soweit meine Idee zu Ihrer Ausgangsfrage. Ich hoffe, dass meine Antwort eine Anregung für Sie beinhaltet hat und wünsche Ihnen alles Gute.


Marion Mirswa: Sie haben einen tollen Beruf. Ich kann sehr gut verstehen, dass Sie ihn lieben. In Ihrer Beschreibung wird für mich Ihr Dilemma regelrecht spürbar - vielleicht weil ich als Mutter nachvollziehen kann, wie die unterschiedlichen Kräfte ziehen und man meint, irgend etwas kommt immer zu kurz.
Sie schreiben: "Viel Energie fließt in Haushalt und Kinder, weil ich so wenig zu tun habe." Könnte man auch umgekehrt fragen: Haben Sie so wenig in Ihrer Praxis zu tun, weil viel Energie in Haushalt und Kinder fließt?
Haben Sie schon mal eine Art "Energie-Diagramm" gezeichnet? Das könnte beispielsweise so aussehen: Sie nehmen einen Kreis. In der Mitte ist der Nullpunkt, nun zeichnen sie von der Mitte bis zum äußeren Rand eine Skala von Eins bis Zehn und ziehen innere parallele Kreise. Nun teilen Sie den Kreis in Tortenstücke für die unterschiedlichen Bereiche: Haushalt, Kinder, Mann, gesellschaftliche Verpflichtungen, Freunde, Sport, Freizeit, Praxis angestellt, eigene Praxis ... Nun tragen Sie für jeden Bereich den geschätzten Energieaufwand pro Tag/Woche oder Monat und verbinden die Punkte. Jetzt können Sie überlegen, in welchem Bereich sie zu- oder abgeben wollen und welche Schritte Sie dafür gehen wollen oder müssen. Sie können sich Teiletappenziele setzen, so dass Sie diese messen können, sich für das Erreichen belohnen und so Step für Step die Praxistätigkeit ausweiten.

Dennoch: Als Einzelkämpferin trotz umfangreicher fordernder Ablenkung zu bestehen ist schwierig. Gäbe es denn eine Möglichkeit für eine Gemeinschaftspraxis beziehungsweise jemanden, der/die bei Ihnen zu Hause mit einsteigen würde?
Noch einige Fragen:
  • Wie unterstützt Ihr Mann konkret Ihre berufliche Arbeit?
  • Wer von Ihnen beiden hat die höheren Erwartungen an Haushalt und Familie?
  • Wie viel Unterstützung benötigen die Kinder?
  • Welche zusätzliche Hilfe könnten Sie sich im Haushalt oder in der Praxis holen?
Möglicherweise können Sie auch ein Coaching zur Existenzsicherung in Anspruch nehmen. Informationen dazu erhalten Sie unter anderem bei den RKW-Zentren oder den IHKs vor Ort - eventuell auch beim Verband der Heilpraktiker.
Ich wünsche Ihnen eine gute Entscheidung und die nötige Energie.


Wir freuen uns über weitere Anmerkungen zu der Anfrage und/oder den Antworten der Coachs.
 
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