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327. Anfrage vom 13.09.2015


 
Wie sage ich einem Mitarbeiter, dass sein starker Körpergeruch stört, ohne ihn zu verletzen?

Ich bin Führungskraft und habe folgende Situation in meiner Verwaltung: Mehrere Mitarbeiter(innen) beklagen sich über permanenten starken Körpergeruch eines Kollegen. Wie gehe ich damit um bzw. wie sage ich es dieser Person, ohne sie zu verletzen? Vielen Dank für Ihre Rückmeldung.

Das größte Hindernis für eine gute Lösung:

Ich selber, da ich nicht weiss wie ich mit der Situation umgehe, bzw. wie ich es, ohne verletzend zu wirken, kommuniziere....


Antworten der Coachs:

Reinhard Fukerider: Sie suchen nach einer Möglichkeit, das heikle Thema "Körpergeruch" bei einem Mitarbeiter auf eine nicht verletzende Art und Weise anzusprechen. Tun Sie das nach den Regeln der Gesprächskunst:
Sprechen Sie in der Ich-Form (z.B.: Ich möchte ein Thema ansprechen, das möglicherweise ein wenig heikel ist.)
Beschreiben Sie die Situation (z.B: Einige Kollegen/innen tun sich schwer, mit Ihnen zusammenzuarbeiten, weil sie Ihren Körpergeruch unangenehm empfinden.)
Fragen Sie nach dem Erleben bzw. der Einschätzung des Mitarbeiters (z.B.: Ist Ihnen das selber bewusst und ist Ihnen aufgefallen, dass die Kollegen Sie meiden?)
Hören Sie dem Mitarbeiter zu und warten Sie ab, was er erzählt.
Es kann sein
  • dass der Mitarbeiter den Eigengeruch selber nicht wahrnimmt,
  • dass es mit hormonellen Störungen oder der Einnahme bestimmter Medikamente zu tun hat,
  • dass es sich um eine Stress- oder Angstreaktion handelt,
  • dass der Mitarbeiter zu wenig auf seine Hygiene achtet
  • oder eine Gemengelage aus verschiedenen Faktoren.
Je nach Sachlage und Reaktion wird sich das Gespräch weiter entwickeln.
Wenn der Mitarbeiter sich gekränkt fühlt und alles von sich weist, dann konfrontieren Sie ihn mit Ihrer Wahrnehmung in der aktuellen Situation, vorausgesetzt er strömt unangenehmen Körpergeruch aus.
Treffen Sie mit ihm eine Vereinbarung, was er tun kann, um den unangenehmen Geruch einzudämmen und verabreden Sie ein Folgegespräch in angemessenem Abstand.
Sie wissen: Wenn sich jemand gekränkt und beleidigt fühlen will, dann können Sie es auch mit noch so guter Gesprächsführung nicht verhindern.
Wenn das Gespräch allerdings von Wertschätzung dem Mitarbeiter gegenüber geprägt ist, dann besteht m.E. eine gute Chance, dass es ein konstruktives Gespräch wird. Gutes Gelingen wünscht Reinhard Fukerider


Jörg Middendorf: Vielen Dank für Ihre Anfrage! Die geschilderte Situation können bestimmt viele Leser nachvollziehen oder haben sie sogar schon erlebt. Ich kann gut verstehen, dass Sie befürchten, die betreffende Person verletzen zu können, da Sie ja ein heikles Thema ansprechen. Das Thema nicht anzusprechen ist ja aber auch keine Option, da sonst andere Mitarbeiter weiterhin "verletzt" werden. Das genau ist das Problem, wenn man etwas nicht macht... das Nicht-Tun ist eben auch ein Verhalten und hat natürlich ebenso Konsequenzen.

Wie die Konsequenzen Ihres Verhalten oder Ihres Nicht-Verhaltens aussehen werden, kann man leider ja nicht im Vorfeld sagen. Sonst gäbe es bestimmt ein Buch, in dem steht, wie genau man sich zu welchen Thema wie verhalten muss, damit ein bestimmtes Ergebnis erzeugt wird. Doch ist es kein Zufall, dass es ein solches (seriöses) Buch nicht gibt. Jedes Verhalten / Nicht-Verhalten ist mit dem Risiko verbunden, dass es mit unerwünschte Konsequenzen verbunden ist. Das muntert Sie jetzt wahrscheinlich nicht besonders auf. Dennoch ist es mir wichtig zu verdeutlichen, dass 1. Sie sich auf jeden Fall verhalten und 2. Sie auf keinen Fall 100%ig die Konsequenzen Ihrer Verhaltensweisen bestimmen können.

Was Sie aber sehr wohl können, ist auf unnötige Verletzungen Ihres Gegenübers zu verzichten ("Du stinkst!"). Da Sie sich im Vorfeld viele Gedanken zu der Situation gemacht haben, ist die Wahrscheinlichkeit nicht sehr groß, dass Sie zu unnötiger Härte in der Kommunikation neigen. Ein Schema, welches hilft, schwierige Themen anzusprechen, sieht folgendermaßen aus:
  1. Was haben Sie wahrgenommen? (Bitte nur Ihre Wahrnehmung und nicht die von Dritten)
  2. Was hat das bei Ihnen ausgelöst? (Ich-Botschaften)
  3. Was ist Ihr Anliegen? (Warum ist Ihnen etwas wichtig?)
  4. Was ist Ihr Wunsch? (Eine Bitte)
Im konkreten Fall könnte das so aussehen bzw. sich anhören:
"Lieber XY! Ich würde gerne etwas mit Ihnen besprechen. Haben Sie heute Nachmittag eine viertel Stunde Zeit für mich?" – "Danke, dass Sie vorbei gekommen sind. Es ist mir etwas unangenehm, aber mir ist etwas aufgefallen, das ich gerne mit Ihnen besprechen möchte. Als ich heute Morgen an Ihnen vorbeigegangen bin, ist mir ein intensiver Geruch an Ihnen aufgefallen. Das Gleiche habe ich schon drei, vier Mal erlebt. [Wahrnehmung] Ich habe den Geruch als eher unangenehm empfunden und ich bin verunsichert, wodurch der zu Stande kommt. [Wirkung auf mich] Mir ist es wichtig, dass wir alle hier gut zusammen arbeiten und auch schwierige Themen offen und vertrauensvoll ansprechen können. Daher habe ich auch um dieses Gespräch gebeten, um zu hören, ob Ihnen das Thema Körpergeruch bekannt ist. [Anliegen] - Pause für die Erwiderung des Gegenübers - Mir wäre es lieb, wenn wir zwei uns nun einen Weg ausdenken, wie wir in Zukunft mit dem Thema umgehen können. [Wunsch, Bitte]"

Wir kennen ja die Ursache des Körpergeruchs nicht. Es kann eine Krankheit, eine Veranlagung, bestimmte Essensgewohnheiten oder auch Themen der Körperpflege sein. Daher würde ich mich mit Änderungsvorschlägen zurückhalten, erst versuchen zu verstehen, wie mein Gegenüber die Situation sieht und dann gemeinsam überlegen, wie man weiter vorgehen sollte.

Wie gesagt, eine Garantie für ein entspanntes Lächeln auf dem Gesicht Ihres Mitarbeiters ist das Vorgehen sicher nicht. Dennoch ist wäre es eine Möglichkeit eine weitere Verschärfung der sozialen Situation vorzubeugen. Viel Mut und viel Erfolg!

PS: Vielleicht haben Sie ja Lust, Ihre Erfahrungen mit dem weiteren Vorgehen später ebenfalls hier zu teilen. Das wäre sicherlich hilfreich für uns und viele Leser! Danke!


Detlef Schmidt: Das ist tatsächlich ein heikles Thema, da es ein sehr persönliches, ja geradezu intimes Problem betrifft. Erschwerend kommt hinzu, dass wir Menschen selbst meist nicht merken, wenn wir unangenehm riechen, der Mitarbeiter also möglicherweise ahnungslos ist, dass sein Körpergeruch für Andere ein Problem darstellt.
In meiner Antwort an Sie setze ich zwei Dinge als grundlegend voraus:
  1. Die Klagen der Mitarbeiter(innen) sind ehrlich gemeint, d.h., das Problem mit dem besagten Mitarbeiter besteht tatsächlich "nur" in seinem Körpergeruch.
  2. Sie selbst haben seinen Körpergeruch ebenfalls als unangenehm wahrgenommen.
Beide Grundlagen sollten erfüllt sein. Die erste, um der Gefahr zu begegnen, dass Sie als Vorgesetzte/r durch die Klagen Ihrer Unterstellten nicht auf ein falsches Gleis geschoben werden (denn es könnte ja auch sein, dass der bemängelte Körpergeruch nur der Aufhänger ist, einen ohnehin ungeliebten Kollegen loszuwerden).
Und die zweite, da Sie in einem Konfliktklärungsgespräch ausschließlich das selbst wahrgenommene ansprechen dürfen (denn jedes Konfliktklärungsgespräch, welches mit: "Mir wurde zugetragen, dass..." beginnt, endet regelmäßig im Fiasko).

Ich habe mich gefragt, wie ich diese Problematik handhaben würde, wenn ich an Ihrer Stelle wäre und meine Vorgehensweise - unter Berücksichtigung oben genannter Grundlagen - wäre folgende:

Information an den Mitarbeiter, dass ich ihn zu einem Gespräch bitte, diese Info bekommt er von mir in einer Situation, in welcher keine anderen Personen in der Nähe sind, die diese Info mithören könnten. Weitere Infos an ihn: Thema: etwas Persönliches; Dauer: ca. 10-15 Minuten. Termin: innerhalb der nächsten Stunde - ggf. auch sofort. Ein 4-Augen-Gespräch in einem Rahmen, der eindeutig die Rollen widerspiegelt (ich Vorgesetzter, er Mitarbeiter), z.B. also mein Büro oder ein kleiner, ungestörter Besprechungsraum. Kein weiterer Schnickschnack, vielleicht etwas Mineralwasser, aber mehr nicht. Sachbezogenes, nüchternes Gesprächssetting.

Das Gespräch eröffnen würde ich mit Worten, die ehrlich beschreiben, was es ist: Es ist ein mir unangenehmes, weil heikles Thema und wahrscheinlich sei es ihm (dem Mitarbeiter) selbst nicht bewusst: Sein strenger Körpergeruch ist für mich, wenn ich in seiner Nähe bin, (sehr) unangenehm. - Kleine Kunstpause und abwarten, was er antwortet bzw. ob er überhaupt antwortet. Wenn er antwortet, würde ich ihn erzählen lassen und zuhören, dabei aber ungefragt keine Hygiene-Tipps oder sonstige Ratschläge geben. Vielleicht äußert er ja selbst Ideen, dann würde ich ihn darin bestärken, sie anzuwenden bzw. auszuprobieren.

Am Ende würde ich ihm eine Brücke bauen, die könnte etwa so aussehen: Von mir wird niemand erfahren, dass wir ein Gespräch zu diesem Thema hatten. Ich bitte ihn, sich dieser Problematik zügig zu stellen. Wir vereinbaren für ein paar Tage später ein zweites Gespräch dazu, in welchem ich ihm entsprechendes Feedback geben werde bezüglicher Veränderungen in meiner Wahrnehmung.

So in dieser Art könnte meine Vorgehensweise aussehen. Wenn sie ein paar Aspekte beinhaltet, die für Sie nützlich sind, würde ich mich freuen.
Viel Erfolg bei Ihren weiteren Schritten.


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